Abg.z.NR Josef Bucher
Klubobmann Josef Bucher
josef.bucher@parlament.gv.at



"ÖSTERREICH 2020
Eure Zukunft. Unser Ziel."
Unter diesem Motto hat der Parlamentsklub des BZÖ eine Klausurreihe gestartet. Gemeinsam mit Experten will das BZÖ konstruktive Vorschläge für Österreich erarbeiten.

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Abg.z.NR Robert Lugar

Abg.z.NR Ing. Robert Lugar
E-Mail: robert.lugar@parlament.gv.at
Sprecher für Umwelt und Wirtschaft
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siehe auch: Debattenbeiträge XXIV. Gesetzgebungsperiode

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Wege zur Energieautarkie

Ich habe vor ein paar Tagen meinen Schwager getroffen und ihm erzählt dass wir eine Klausur zum Thema Energie machen. Darauf hat er gemeint: „Das wird sicher langweilig“. Ich habe geantwortet, das die Energieversorgung doch ein Zukunftsthema ist. Das hat ihn nicht sonderlich beeindruckt und er hat gesagt: „Das hat in den letzten 30 Jahren von ein paar Ausnahmen abgesehen funktioniert, und das wird auch in den nächsten 30 Jahren funktionieren“. So denkt mein Schwager, und so denken leider auch viele andere.

Weit haben wir es mit diesem Denken nicht gebracht, besonders was die Umwelt angeht. Im Jahr 1850 hatten wir 280 Teile CO2 in einer Million Teile Luft. Jetzt haben wir 385 Teile. Diese Zahl klingt jetzt abstrakt, was sie bedeutet ist dass wir auf eine Klimakatastrophe zusteueren und das Tempo beschleunigt sich, anstatt das wir langsamer werden. In den 60er Jahren ist die CO2-Konzentration in der Luft jährlich nur um 1ppm gestiegen, jetzt hat sich dieser Anteil bereits verdoppelt.

Das ist aber bei weitem nicht das einzige Problem: Wir sind von Gas und Erdölimporten abhängig und die Staaten aus denen diese Rohstoffe kommen sind größtenteils politisch instabil. Von Versorgungssicherheit kann da keine Rede sein. Wenn die Wirtschaftskrise vorbei ist, werden die Rohstoffpreise wieder extrem ansteigen. Diesen Tatsachen wollen viele nicht ins Auge sehen, obwohl wir jetzt hinschauen müssen, solange wir noch das Ruder noch herumreißen können.

Tatsache ist, dass sowohl der Minister Berlakovich als auch Minister Mitterlehner in der Energiepolitik einen Weg gehen, der den Anforderungen unserer Energiezukunft nicht gerecht wird. Der Grund ist ganz einfach: Es gibt in Österreich eine Lobby – OMV, Verbund und andere Energieversorger, die hier einen Status Quo zementieren wollen. Warum?

Ich nehme jetzt den Verbund als kleines Beispiel her. Der Verbund hat 30 Prozent Kapitalrendite, also 30 Prozent Umsatzrendite. Der Media Markt oder ein anderer Händler hat eine Umsatzrendite von ein bis zwei Prozent, das heißt, er verdient ein bis zwei Prozent vom Umsatz. Der Verbund aber verdient 30 Prozent des Umsatzes! Das muss man sich einmal vorstellen! Das schafft normalerweise ein Softwarehersteller wie Microsoft oder sonst irgendwelche Softwarefirmen, eine so gewaltige Umsatzrendite. Diese Unternehmen machen ihre Gewinne aber mit Technologien für die Zukunft. Der Verbund schafft das, indem er sich daran klammert, was er hat. Er schaut, dass er das, was er hat, möglichst gut ausnützt, neue Projekte dann in Angriff nimmt, wenn sie gut umsetzbar sind – und die restliche Zeit über wir fest importiert!

Und die OMV macht das genauso. Die OMV hat überhaupt kein Interesse daran, dass man von ihrem Gas wegkommt. Und da sie einen gewaltigen Einfluss auf die Politik haben, passieren Dinge, wie sie nachfolgend dann auch noch gezeigt werden. Ich zeige jetzt an einem Beispiel, was hier passiert, am Beispiel der Windkraft. (Eine entsprechende Grafik erläuternd:)

Dieses Diagramm zeigt sehr anschaulich, wie sich der Ausbau der Windkraft entwickelt hat. 2005, 2006 hat es einen Hype gegeben. Da hat die Regierung aufgrund des Drucks der Öffentlichkeit endlich etwas gemacht, da sind 100 neue Windkraftwerke ans Netz gegangen! Dann hat man gesehen, das schlägt ein, da kommt etwas in Bewegung – und was hat man gemacht? – Man hat die Förderungen auf Teufel komm raus gekürzt um die Interessen der Lobbyisten zu schützen! Dann sehen wir: 10 Stück waren es 2007 und 7 Stück 2008. Und im Moment ist die Windkraft so gut wie tot – tot, weil die Förderungen nicht passen.

Ich zeige nur beispielhaft, was hier in der Politik passiert: Es wird zementiert, es wird der Status Quo fortgeschrieben, und man hofft, mit irgendwelchen Kunstgriffen, mit diesen 500 Millionen € irgendwie mit den Kyoto-Bestimmungen zurande zu kommen. Was nach Kyoto 2012, 2013 passiert, darüber wird kaum nachgedacht. Da nimmt man Strafzahlungen in Kauf.

Ein weiterer Punkt, auf den ich hier zu sprechen kommen muss, um zu zeigen, warum die Energiepolitik der Bundesregierung in die falsche Richtung führt:. Ich weiß nicht, ob jemand eine Vorstellung davon hat, was wir jedes Jahr für Energieimporte ausgeben? (Ruf: 11 Milliarden!) Es sind ein bisschen mehr, nämlich knapp 12 Milliarden, die wir jedes Jahr für Energieimporte ausgeben. Wenn wir Energie importieren, wandert Geld ins Ausland. Dieses Geld wandert nach Saudi Arabien, nach Russland, das wandert sonst wohin.

Viele sagen, es ist ja egal, ob wir es hier zahlen oder im Ausland – der Unterschied ist ein großer! Volkswirtschaftlich macht es absolut Sinn, dass ich das Geld einem Österreicher gebe, denn der gibt es wieder in Österreich aus. Wenn ich es einem Saudi gebe, gibt er es höchstwahrscheinlich nicht in Österreich aus. Das ist ein unglaublicher Verlust an Kaufkraft im Inland.

Diese 12 Milliarden Euro, die wir für Energieimporte ausgeben, sind ein Potential, das wir einsparen können und einsparen müssen. Wir können gar nicht anders, als hier aktiv zu werden, denn die Ausgaben für diese Importe steigen mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Vor nicht allzu langer Zeit lagen wir noch bei 10 Milliarden und nicht bei 12 Milliarden, aber wenn sich der Energiepreis so weiterentwickelt, sind wir bald bei 15 Milliarden. Das dämpft natürlich auch unsere Wirtschaft – diese Energieimporte werden nicht mehr lang leistbar sein!

Ich habe das Problem jetzt nur kurz angerissen: 12 Milliarden für Energieimporte, plus die 500 Millionen, die wir für CO2-Zertifikate ausgeben. Aber es gibt abseits der Kosten noch viele andere Gründe die für eine Energieautarkie sprechen.

Kollege Aschenbrenner und Kollege Widmann werden noch genauer erklären, warum wir das überhaupt brauchen, warum wir energieautark sein wollen.

Ich bin sehr skeptisch gewesen, als ich vor sechs Monaten vom Josef gehört habe, dass wir in Österreich energieautark werden wollen, und das Ganze noch bis 2020. Ich habe aus dem Bauch heraus gesagt: Das ist unmöglich! Absolut unmöglich!

Ich habe dann mit vielen Leuten gesprochen, auch mit Lobbyisten, auch von Alternativenergien, und zu 90 Prozent habe ich gehört: Das ist unmöglich, das ist utopisch, ist viel zu schnell, geht überhaupt nicht, vielleicht 2030 oder eben immer wieder dieses „geht überhaupt nicht!“ Mittlerweile bin ich von einem überzeugt – es ist eine gewaltige Aufgabe – aber sie ist lösbar!

Jetzt sage ich einmal deutlich, wo das Problem liegt: Ein gewaltiger Anteil des Gesamtenergieverbrauchs in Österreich ist Erdöl, und wir wissen, dass nur 7 Prozent davon im Land produziert werden. Das heißt, dass wir diesen gewaltigen Anteil irgendwie substituieren müssen. Wenn wir energieautark werden wollen, also komplett auf Importe verzichten, dann müssen wir uns etwas einfallen lassen.

Also: Die 7 Prozent stehen uns beim Erdöl zur Verfügung, aber der Rest fehlt uns. Bei der Kohle schaut es noch schlechter aus, beim Gas dafür wieder ein bisschen besser; da produzieren wir selbst 22 Prozent. Aber auch hier fehlt ein gewaltiger Teil, den wir substituieren müssen.

Wenn wir jetzt noch dazurechnen, was wir an erneuerbaren Energien haben, also Wasserkraft, Windkraft, etc…, dann müssen wir immer noch etwa drei Viertel des österreichischen Gesamtenergieverbrauchs substituieren, also durch andere Energieformen ersetzen. Eine gewaltige Anstrengung! Ich sage das deswegen in aller Deutlichkeit, weil es dazu auch einer gewissen Opferbereitschaft bedarf.

Jetzt kommt die Gesamtrechnung. Wir haben sechs Monate hin- und hergerechnet, uns mit vielen Experten getroffen, mit Lobbyisten aller möglichen Couleurs, und haben eine Art Metastudie gemacht, in der wir 28, 30 Studien zu einer Metastudie zusammengefasst haben, um zu schauen, wie wir hinkommen können, wie wir es schaffen können, energieautark zu werden.

Dazu müssen wir uns einmal die Ausgangslage ansehen. Wieviel Energie verbrauchen wir in Österreich eigentlich? Wir haben als Maßeinheit Terrawattstunden gewählt. Darunter kann man sich nicht wirklich etwas vorstellen, ein Beispiel: Eine Glühbirne hat 100 Watt – gehen wir von einer 100-Watt-Lampe aus: Wenn ich die zehn Stunde betreibe, habe ich eine Kilowattstunde. Also: Kilo, dann kommt Mega, Faktor 1000, dann kommt Giga, Faktor 1000, und dann kommt Terrawatt. In Österreich verbrauchen wir ca. 395 Milliarden Kilowattstunden, also fast 400 Milliarden Kilowattstunden. In Glühbirnen umgerechnet wären das 4 000 Milliarden leuchtende Glühbirnen. Das ist der Energieverbrauch in Österreich. In dieser Rechnung sind alle Energieformen enthalten – nicht nur Strom, sondern auch Gas und Öl - umgerechnet in Terrawattstunden.

Einen großen Anteil an diesen rund 400 Terrawattstunden müssen wir substituieren. Aber bevor wir zu anfangen zu ersetzen, stellt sich die Frage, was wir einsparen können. Alles, was ich einspare, brauche ich nicht erzeugen. Nur damit man einen Vergleich hat: In Österreich sind bislang etwa 40 Terrawattstunden an Wasserkraft ausgebaut, 18 Terrawattstunden sind noch ausbaufähig. Das Einsparungspotenzial über das wir verfügen liegt bei mindestens 50 TWh. Das heißt, wir könnten weit mehr einsparen, als wir bislang mit der gesamten in Österreich ausgebauten Wasserkraft produzieren. Dieses Potenzial setzt sich zusammen aus Einsparungen bei Fahrzeugen durch Umstellung auf Elektromobilität, bei der thermischen Sanierung, und durch allgemeine Energiesparmaßnahmen, die ich noch anreißen werde.

Aus heimischer Produktion haben wir also an Gas, Öl und erneuerbaren Energien: 128 Terrawattstunden. Das heißt, wir haben abzüglich des Einsparungspotenzials einen Substitutionsbedarf von ca. 218 Terrawattstunden. Da sind wir schon fast bei der Hälfte, das schaut schon nicht so schlecht aus, ist aber immer noch gewaltig.

Die nächste Folie zeigt, wir haben ein Gesamtpotenzial von 237 Terrawattstunden an erneuerbaren Energien. Wir brauchen 218, wir haben die Möglichkeit von 237.

Nun zur Biomasse. – Das ist sozusagen das Neue an der ganzen Sache. Die meisten sagen, Wasserkraft ist unsere große Stütze, Wasserkraft ist das Rückgrat. Wenn wir wirklich energieautark werden wollen, dann müssen wir die Biomasse gewaltig forcieren. 113 Terrawattstunden – das ist so gewaltig, dass man es fast nicht aussprechen kann! Das ist mehr als das Doppelte der gesamten Wasserkraft, das in unseren Wäldern und Äckern steckt!

Um diesen Schatz zu heben, müssen wir einiges tun. Denn die Biomasse wird momentan sträflich vernachlässigt:: Das geht sogar so weit, dass die EVN zu mir kommt und sagt, sie würde bei Dürnrohr gerne ein großes Biomassekraftwerk zur Stromgewinnung bauen, aber es gibt keine Biomasse. Wir haben noch ein Potenzial von fast 120 Terrawattstunden, und diese paar Terrawattstunden, die gebraucht werden, sind nicht verfügbar! Warum sind die nicht da? Holz wächst ohne Ende! – Der Grund ist schlicht und einfach, dass man in Österreich vorwiegend Biomasse aus Abfällen nützt. Hackschnitzel, Abfälle von Sägewerken usw. Das heißt, man verwendet primär das Nutzholz, das zur Erzeugung von Bauholz, Papier etc. genutzt wird. Was dort übrig bleibt, geht in die Biomasse, in die Energiegewinnung.

Da müssen wir umdenken! Wir müssen aus dem Wald einen Energieträger machen, den wir ganz gezielt nützen.

Der nächste Punkt: Solarthermie und Photovoltaik. – Das Gesamtpotential bei diesen Energieformen schätzen wir mit ca. 60 TWh ab. Das können größere Kraftwerke sein, Kollektoren auf freien Flächen, usw… Aber ein wesentlicher der Schwerpunkt wird bei Anlagen auf den Hausdächern liegen. So kann man dezentral Warmwasser und Strom erzeugen. In Kombination mit einem Pellets-Ofen könnte man hier einen schönen Energiemix kreieren.

Woran scheitert es, dass in Österreich diese Solarkollektoren auf den Dächern relativ selten sind? – Es ist wirtschaftlich, es rechnet sich, es gibt genügend Studien, die das belegen. Andere Untersuchungen zeigen uns einen warum viele auf diese Kollektoren verzichten: aus Gründen der Optik. Man findet, die Kollektorflächen seien nicht hübsch anzusehen.

Deshalb sollten wir andenken, ob man nicht generell als Voraussetzung für die Gewährung der Wohnbauförderung die Installation von Solarkollektoren vorschreibt. Denn dann hat es jeder am Dach, und wenn es jeder am Dach hat, dann wird sich niemand mehr daran stoßen.

Hier muss man Akzeptanz schaffen. Was die Energieeffizienz der Häuser betrifft, hätten wir dadurch ganz abgesehen von der thermischen Sanierung schon einiges gewonnen.

Windkraft –ein sehr spannendes Thema. Darauf kommt dann noch Kollege Widmann zu sprechen. Ich sage jetzt nur, dass hier ca. 42 Terrawattstunden an Potenzial da sind. Im Moment haben wir nicht einmal einen Bruchteil davon ausgebaut. Sehen wir uns einmal die Entwicklung an: In den achtziger Jahren hat es geheißen, maximal 2 Terrawattstunden sind in Österreich ausbaufähig, dann ist der absolute Plafond erreicht. Jetzt sind wir bei 2 Terrawattstunden, und die Grenze rückt immer weiter nach oben. Und je mehr gemacht wird, desto mehr Potenzial steckt auch in der Windkraft.

Zur Wasserkraft. – Wasserkraft alleine ist leider nicht das Rückgrat unserer Energieautarkie. Es ist ein guter Mix, aber auf Wasserkraft alleine können wir nicht unsere Energieautarkie aufbauen. Wir können die Wasserkraft so ausbauen, dass sie im Elektrizitätsbereich einen wesentlichen Beitrag leisten. Der Wasserkraft wird aber noch in einem anderen Bereich extrem wertvoll werden, und zwar in Form von Staukraftwerke. Wir wissen ja, jedes Windkraftwerk braucht irgendwo einen Puffer, und das sind meistens diese Pumpspeicherkraftwerke. Wenn ich viel Wind habe, habe ich viel Energie, aber wenn ich im Moment keine brauche – was mache ich dann damit? Die Energie muss dann über erneuerte Leitungsnetze an Pumpspeicherkraftwerke abgegeben werden, um dort die Energie zu speichern, und sie dann abzurufen, wenn sie gebraucht wird.

Ich komme dann bei der Elektromobilität noch darauf zu sprechen, wie man diese auch nützen kann, um Windkraft und Wasserkraft zu puffern.

Geothermie hat auch viel Potenzial. In den Thermenbrüchen und Thermenlinien ist die Geothermie, insbesondere die Tiefengeothermie , bei 1500 bis 2000 Metern eine sehr gute Sache, um das technisch umzusetzen. Das Potenzial liegt bei ca. 6 Terrawattstunden. Es gibt in diesem Bereich aber viel zu wenig Forschung in Österreich. Entscheidend ist, dass die Geothermie aus meiner Sicht noch viel mehr Potenzial hat, aber wir hier gehen hier von den Studien aus, und das sind eben diese 6 Terrawattstunden.

Wir sehen, wir haben es geschafft: Wir sind auf den 237 Terrawattstunden – zumindest einmal rechnerisch!

Jetzt müssen wir uns überlegen, was wir politisch brauchen, um das auch wirklich zu schaffen. Mir ist auch vollkommen klar, dass wir hier nicht rausgehen und sagen: Das sind die politischen Rahmenbedingungen die wir brauchen, und diese Forderungen sofort umsetzen können. Ganz einfach deshalb, weil wir nicht in der Regierung sind.

Aber es interessant, dass Herr Mitterlehner vor ungefähr sechs Monaten angekündigt hat, eine Energiestrategie zu entwickeln, fast zeitgleich mit uns. Das war ungefähr im Jänner, da haben auch wir damit begonnen daran zu arbeiten, und vor ein paar Tagen haben sie diese Strategie präsentiert. Diese Strategie sieht so aus, dass sie sich darauf verständigt haben, eine Strategie entwickeln zu wollen. Also eine ganz tolle Leistung! (Heiterkeit.) Und wir werden sehen, wie sie das weiterentwickeln. Wahrscheinlich werden sie sich in einem Jahr dann selber gratulieren, dass sie ein Team gefunden haben, das langsam eine Strategie entwickeln wird. Da kann man wirklich sehr gespannt sein. Entscheidend ist, dass wir als Opposition hier entsprechend Druck machen können, und ich bin überzeugt, wenn wir gut Druck machen, werden die sich auch bewegen müssen.

Jetzt komme ich zu einem heiklen Thema, zur Elektromobilität. Warum ist das so heikel? Wenn wir Erdöl substituieren wollen, dann müssen wir auf Elektromobilität umstellen. Ab dem Tag, an dem wir energieautark sein wollen, muss fast jeder elektrisch fahren – anders wird es nicht gehen, es geht sich rechnerisch sonst nicht aus.

Und jetzt ist die Frage: Ist es komfortabel, elektrisch zu fahren? Viele werden sagen: Im Moment nicht! Ich muss anstecken, muss mir genau ausrechnen, wie weit ich komme, wann kann ich wieder laden, wie lange muss ich laden, wann kann ich wieder weiterfahren?, usw.

Aber es gibt auch hier gewaltige Innovationen. Es gibt das „Better Place“-Modell und andere Konzepte, bei denen der Akku nicht geladen, sondern ausgetauscht wird. Das heißt, ich fahre mit meinem Elektroauto zur Tankstelle, stecke meine Karte rein – dann öffnet sich unter dem Auto eine Luke, der Akku wird von unten gepackt – er wiegt immerhin etwa 300 kg –, wird mit einem Greifarm herausgehoben, und durch einen geladenen Akku ausgetauscht. Das Ganze dauert vielleicht drei Minuten – ich ziehe die Karte wieder heraus und fahre weiter.

Das Schöne an der Sache ist, dass das Ganze für den Verbraucher sehr billig ist. Wenn man die Kosten für eine Kilowattstunde mit dem Spritpreis vergleicht sieht man: Es ist sehr günstig. Der Komfort ist etwa der gleiche, was Beschleunigung betrifft sogar noch etwas besser, was Endgeschwindigkeit betrifft, werden sich 130 km/h ausgehen – schneller darf man ohnehin nicht fahren.

Was die Reichweite angeht, werde ich mit dem Wechselakku zwischen 200 und 300 Kilometer weit kommen, wie bei jedem anderen Auto. Ein Punkt ist dabei allerdings noch zu berücksichtigen: Der Akku kostet sehr viel Geld. Im Moment kostet der Akku in etwa 10 000 € – Tendenz stark sinkend. Jetzt wäre das natürlich ein Problem, wenn ich ein Auto, das 7 000 bis 8 000 Euro kostet, kaufe: Mit einem Akku, der 10 000 € kostet, bin ich schon auf 18 000 €. Da wird das Auto sehr teuer, auch ein Kleinwagen.

Um das zu verhindern gibt es ein Mietsystem. Das heißt, der Akku wird nicht gekauft, sondern er wird gemietet. Ich kaufe das Auto und miete den Akku, dann fahre ich zu einer Tankstelle, und die Tankstelle verrechnet mir die 3,30 € auf 100 Kilometer, bezogen auf die gesamte Füllung – immer noch viel günstiger als Sprit –, und einen Anteil für den Akku. Und wenn ich das dann zusammenrechne, bin ich immer noch 15 bis 30 Prozent unter dem derzeitigen Spritpreis – Tendenz stark sinkend, weil die Akkus immer billiger werden.

Das System hat also Charme und Witz. Das Einzige, was dabei berücksichtigt werden muss, ist, dass die Infrastruktur passt – ich muss ja überall auftanken können –, und zweitens, dass man verhindert, dass überall selbst aufgeladen wird.. Wenn ich selbst lade würde das System nicht funktionieren: Ich miete den Akku und lade ihn einfach immer selbst. Dann hätte der Hersteller nichts davon, weil er ja bei jedem Tankvorgang einen kleinen Anteil seiner Gestehungskosten einrechnet. Aber das kann ja kein Problem sein, denn wir betanken unsere Autos jetzt ja auch nicht selber. Im Grunde bleibt einfach alles so wie gewohnt: Man fährt einfach zur Tankstelle, und dort wird vollgetankt, in unserem Fall eben der Akku.

Was passiert jetzt mit den Akkus? Die Akkus müssen natürlich genormt sein, am besten in ganz Europa. Jetzt brauchen wir die Europäische Union – jetzt brauchen wir sie! Sonst brauchen wir sie nicht, aber jetzt brauchen wir sie. Da muss die Europäische Union sagen: Wir sind für etwas gut: Wir normieren nicht die Gurkenkrümmung, die ist uns „wurscht“, wir normieren die Akkus! – Dann funktioniert das System. Dann haben wir in Europa ein System, in dem alle Akkus gleich sind. Es gibt auch nur einen Akku, es gibt nicht zwei, drei verschiedene, sondern es gibt einen in der gleichen Größe, und wenn ich ein Auto haben will, das besonders schnell fährt, dann habe ich eben zwei Akkus. Bei einem LKW können es bis zu drei oder sogar vier sein. Aber wir müssen so weit wie möglich auf Elektromobilität umstellen um unser Ziel zu erreichen. Und mit diesem System wird es funktionieren.

Im Moment wird von vielen Seiten das Modell angedacht, das wir eben nicht wollen: Jeder kauft sich ein Elektroauto und steckt es zu Hause an. Das würde eine Menge Probleme mit sich bringen:

Erstens würde hauptsächlich Atomstrom getankt werden, weil die meisten Menschen in der Nacht aufladen würden. In der Nacht ist Atomstrom zurzeit am billigsten, also hätten wir einen Effekt, den wir definitiv nicht wollen.

Das zweite Problem ist, dass unsere Netze das niemals aushalten können. Wenn ich mir da allein die Ballungszentren, etwa Wien, anschaue: Wien hat ein Leitungsnetz, das kann man vergessen! Wenn da alle zu Hause an ihrer Steckdose anstecken, dann dauert das erstens ewig, und zweitens entsteht dadurch ein gewaltiger Energieverbrauch – er macht das Fünf-, Sechsfache des normalen Verbrauchs aus. Damit würden die Leitungen, die jetzt schon zu 100 Prozent ausgelastet sind, dann hoffnungslos überlastet sein oder überhaupt ausfallen.

Es hat sich bis jetzt noch keiner überlegt, was passiert, wenn die Leute beginnen, zu Hause anzustecken. Das funktioniert nicht! Wenn ich dezentral eine Tankstelle habe, kann ich dort eine eigene Leitung hinbauen, entsprechend voluminös. Wenn ich jetzt in einer Garage im 3. Wiener Gemeindebezirk bin und dort alle anstecken geben die Leitungen den Geist auf. Das wäre ein Chaos, das überhaupt nichts bringt. Da würden Milliarden in die Leitungserneuerung fließen, die gar nicht notwendig ist.

Ich gehe deshalb so genau darauf ein, weil das die Frage sein wird, die uns in den nächsten Wochen und Monaten beschäftigen wird. Sehen wir uns einmal die internationale Entwicklung an: Israel zum Beispiel hat schon jetzt ein Pilotprojekt und hat konkrete Absichten, dass 2020 der Großteil der Autos elektrisch unterwegs ist. Dänemark, Deutschland, Schweden – ich kann viele Länder aufzählen, die schon konkret daran arbeiten. Und jetzt ist entscheidend, dass wir Österreicher mitmachen und auch mitentscheiden, wie wir die Dinge entwickelt haben wollen. Das heißt, wir müssen in Forschung und Entwicklung investieren, wir müssen hier darauf achten, dass wir mit unserem Zulieferer oder Händler entsprechende Kooperationen eingehen, politische Kooperationen. In diesem Bereich muss verstärkt geforscht werden, von der Batterietechnologie angefangen bis hin zu Super-Akkus; ich will da nicht zu sehr ins Detail gehen. Das ist ein ungeheuer spannendes Feld.

Statt herzugehen, wie ich das heute im Radio gehört habe, und Stronach lächerlich zu machen, weil er Opel rettet und letztlich auch österreichische Arbeitsplätze rettet – er braucht ja die Aufträge – statt den Herrn Stronach also lächerlich zu machen und ihn als Idioten hinzustellen, könnten wir doch eine Allianz schmieden. Politik und Wirtschaft –, damit hier etwas weitergeht, dass hier Geld in die Hand genommen wird und entsprechend geforscht wird. Aber das passiert wieder einmal nicht, und das ist österreichtypisch, ein Reflex: Jeder, der etwas bewegen will, der etwas unternehmen will, wird lächerlich gemacht. Von dieser Gangart müssen wir weg, und wir müssen die Leute motivieren, die wirklich etwas tun.

Ich komme kurz noch einmal zu den Einsparungen. Wenn wir es schaffen wollen, energieautark zu werden, dann müssen wir einsparen. Dazu müssen wir neue Wege beschreiten: das „Smart Metering“. Jeder Haushalt bekommt einen Zähler, der nicht nur registriert, wie viel Strom man braucht, sondern auch registriert, wann man diesen Strom braucht. Warum ist das so wichtig?

Es gibt tagsüber immer wieder Spitzen im Stromverbrauch, in der Früh zum Beispiel, wenn die Leute ihren Frühstückskaffee machen. Danach sinkt der Verbrauch, geht mittags noch einmal hinauf und steigt am Abend noch einmal kräftig. Das heißt, der Stromverbrauch variiert extrem. Das ist ein Riesenproblem für die Stromversorgung. Immer dann, wenn der Verbrauch stark nach oben geht, müssen im Moment alle Hebel in Bewegung gesetzt werden. Meistens müssen kalorische Kraftwerke oder Kohlekraftwerke zugeschaltet werden, um das auszugleichen. Das ist sehr teuer, das ist sehr ineffizient, und das ist vor allem für die Umwelt eine Katastrophe, auch was die Netzverluste betrifft. Hier gehen bis zu 25 Prozent verloren, weil wir zu den Spitzen das Netz auch entsprechend belasten.

Mit dem „Smart Metering“ kann ich glätten. Jeder bekommt seinen eigenen Tarif, je nachdem wann er Strom konsumiert und am Abend wird es billiger. Ich habe einen Stromtarif, und wenn ich dann einschalte, wenn alle einschalten, zahle ich etwas mehr. Wenn ich aber dann einschalte, wenn nicht alle einschalten, zum Beispiel, wenn ich in der Früh das Geschirr in den Geschirrspüler räume und ihn nicht sofort einschalte, sondern zwei, drei Stunden zeitverzögert, dann zahle ich weniger. Wenn ich mittags nach Hause komme, ist das Geschirr auch sauber, aber es kommt nicht gleich in der Früh zu diesen Spitzen weil alle gleichzeitig ihren Geschirrspüler einschalten. Das Netz wird mit diesem „Smart Metering“ geglättet. Deshalb ist es so wichtig. Das kostet ungefähr 1,5 Milliarden, würde aber auch die Wirtschaft beleben.

Den 1 Watt-Standby hat Kollege Bucher schon erwähnt. Es gibt im Moment Fernseher, die bis zu 30 Watt im Standby brauchen, Stereoanlagen um die 10 bis 15 Watt. Das ist eine unglaubliche Energieverschwendung, denn im Standby macht das Gerät ja nichts, es wartet nur darauf, dass ich die Fernbedienung betätige. Hier geht eine Menge Geld und Energie verloren. Diesen 1-Watt-Chip könnte man überall einbauen, und der kostet nur ein paar Cent. Damit könnte man gewährleisten, dass jedes Standby-Gerät maximal 1 Watt verbraucht. Damit könnte man Millionen Tonnen an CO2 einsparen, nicht nur in Österreich, sondern weltweit. Eine Maßnahme, die nur ein paar Cent kostet – aber man muss es auch machen. Es passiert deshalb nicht, weil es ein paar Cent mehr kostet, und es wird sehr, sehr genau gerechnet. Alles, was dem Verkäufer nichts bringt, wird nicht gemacht. Aber wenn es gesetzlich vorgeschrieben wird, muss er es machen.

Jetzt komme ich zur NOVA generell, vorerst aber zur NOVA für Elektrogeräte. Ich habe vor zwei Jahren eine Klimaanlage zu Hause eingebaut, und damals habe ich ungefähr doppelt soviel bezahlt, als ich hätte zahlen müssen, hätte ich ein anderes Gerät genommen. Es gibt Geräte, die unheimlich viel Strom verbrauchen, aber sehr billig in der Anschaffung sind. Ein solches Klimagerät kostet vielleicht 300 Euro. Sie verbrauchen zwischen 30 und 50 Prozent mehr Strom als ein teures Gerät, aber sie kosten eben weniger in der Anschaffung. Ein gutes Gerät kostet 600 bis 700 €, braucht aber um 30 bis 50 Prozent weniger Strom. Die meisten kaufen das billige Gerät und sagen: Der Stromverbrauch ist mir wurscht!

Das ist genau das Problem! Mit einer NOVA kann man gegensteuern. Geräte, die teuer sind, werden durch eine Negativ-NOVA billiger, und Geräte, die nur deshalb billig sind, weil sie viel Energie verschwenden, werden durch die NOVA teurer. Es ist also aufkommensneutral, weil diejenigen, die Energieschleudern kaufen, für diejenigen bezahlen, die sich umweltbewusst entscheiden. Das ist also relativ aufkommensneutral, und wir könnten einen gewaltigen positiven Lenkungseffekt durch die NOVA erzielen.

Die NOVA bei den Fahrzeugen ist mein nächstes Thema. Man müsste aus meiner Sicht so staffeln, dass man einen Bonus für Elektroautos ausschüttet: 20 Prozent werden vom Kaufpreis abgezogen, also ich erspare mir die Mehrwertsteuer. Für Ferrari, Hummer und Konsorten gibt es im Gegensatz dazu dann eine 50-prozentige NOVA. Von all jenen, die das Gefühl haben, sie brauchen so ein Fahrzeug, und sich das auch leisten können und wollen wird ein solcher Beitrag eingehoben. Schauen wir mal nach Dänemark: Dort gibt es das schon, und dort brechen die Verkaufszahlen für Ferraris auch nicht ein. Diejenigen die einen Ferrari kaufen zahlen für diejenigen, die umweltbewusst fahren wollen.

Damit entsteht ein Lenkungseffekt. Das sollte man andenken. Darüber werden wir später sicher noch diskutieren. Es gibt mehrere Punkte – ich werde sie jetzt nicht alle aufführen – bei denen wir noch über die gesetzlichen Rahmen diskutieren müssen.

Einen Punkt möchte ich noch ansprechen, und zwar die Biomasse. Die Biomasse wird deshalb nicht so sehr als Energieholz genutzt, weil das momentan relativ unwirtschaftlich ist und schlechte Preise gezahlt werden. Außerdem ist es sehr arbeitintensiv. Man müsste den Wald durchforsten und die Biomasse herausholen, die man verwenden kann – das ist sehr arbeitsintensiv, und das, was dann herausschaut, ist nicht so üppig. Aber jetzt kommt das Gute an der Sache: Wir haben hier einen Bereich, der sehr arbeitsintensiv ist, hier braucht man viele Arbeitskräfte. Wenn wir österreichweit wirklich diese 117 Terrawattstunden herausholen wollen, müssten an die 200 000 Menschen die Biomasse aus dem Wald holen – auf der anderen Seite haben wir unwahrscheinlich viele Arbeitslose. Das heißt, man könnte hier die Arbeitslosigkeit fast generell „abschaffen“. indem man die Arbeitslosen dazu heranzieht, die Biomasse aus dem Wald zu holen und hier einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Das ist erstens eine sehr gute Sache ist, denn man kommt wieder ein bisschen ins Arbeiten – gerade für Langzeitarbeitslose ist das eine gute Sache –, und zweitens hat es einen sehr positiven Beschäftigungseffekt, weil die frische Luft sowieso noch niemandem geschadet hat.

Darüber müssen wir noch diskutieren. Ich stelle es einmal so in den Raum, aber das ist sicher etwas, was wir andenken müssen, um eben diesen gewaltigen Bedarf an Arbeitskräften zu decken. Viele Menschen hätten zumindest übergangsmäßig Beschäftigung, bis sich eine andere berufliche Perspektive ergibt.

Ich werde jetzt nicht so sehr auf die anderen Punkte eingehen, dazu wird der Kollege noch etwas sagen. Nur ein kurzer Schlusssatz: Diese Energieautarkie, wenn wir sie wirklich wollen, gibt es nicht zum Nulltarif. Die andere Möglichkeit ist, dass wir sagen: Wir tun nichts, wir stecken die Köpfe in den Sand – vergessen wir einmal, dass wir Politiker sind und an die Zukunft denken sollen. Aber dann wird auch sich nichts ändern, und dann kommen wir vielleicht zu spät, weil andere Politiker sich doch dazu entschließen nach vorne zu schauen. Energieautarkie gibt es nicht zum Nulltarif, und wenn wir sie wirklich wollen, dann müssen wir auch bereit sind, entsprechende Maßnahmen zu fordern und auf den Weg zu bringen. Darum werden wir nicht herumkommen, dieser Verantwortung müssen wir uns bewusst sein.

Ich bedanke mich und übergebe an meinen Kollegen Widmann. Ich freue mich schon auf seine Ausführungen. (Beifall.)


Sitzungs- und Ausschusstermine im Nationalrat